Hier finden Sie alle Pressemitteilungen rund um das Thema „Toiletten für alle in Baden-Württemberg“.

In Metzingen wurde die erste „Toilette für alle“ im Landkreis Reutlingen eröffnet

Metzingen, 16.01.2017 – Es geht voran mit dem Projekt „Toilette für alle“. Zwar gibt es in Baden-Württemberg bisher nur 11 solcher Toiletten, aber weitere sind geplant. Die erste im Landkreis Reutlingen steht wurde nun als nachahmenswertes Beispiel in Metzingen offiziell in Betrieb genommen. Die Toilette befindet sich in einem Anbau am Bahnhofsgebäude und ist mit dem „Euro-Schlüssel“ zugänglich. Eine weitere „Toilette für alle“ soll demnächst in Reutlingen selbst eröffnet werden.

Auch wenn der Bahnhof Metzingen selbst kein gutes Beispiel für Barrierefreiheit ist, hat die neu geschaffene „Toilette für alle“ eine Vorbildfunktion. Die Stadt Metzingen hat 15.000 Euro dafür investiert, wie Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler erklärte. Für die Einrichtung mit Wandklappliege, Patientenlifter und Windeleimer gab es vom Sozialministerium Baden-Württemberg einen Zuschuss in Höhe von rund 8.000 Euro.

Bekanntermaßen gibt es zwar viele Rollstuhltoiletten, aber eine „Toilette für alle“ ist weit mehr. Sie ist deutlich größer und ist zusätzlich ausgestattet mit einer Pflegeliege für Erwachsene, einem Patientenlifter für das Umsetzen vom Rollstuhl auf die Liege und zurück. Auch der luftdicht verschließbare Windeleimer gehört dazu. Die „Toilette für alle“ steht, wie der Name schon sagt, nicht nur Menschen mit mehrfachen Behinderungen sondern zum Beispiel auch älteren pflegebedürftigen Menschen mit Demenz zur Verfügung. Der Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg schätzt, dass allein in Baden-Württemberg rund 380.000 betroffene Menschen leben.

„Wickeltische für Kleinkinder gibt es viele, aber kaum welche für Erwachsene. Aber nur damit ist ein menschenwürdiger Windelwechsel überhaupt möglich“, nennt OB Dr. Fiedler die Motivation der Stadt, Abhilfe zu schaffen. Er dankte der Inklusionsbeauftragten Ute Kern-Waidelich für ihre Initiative. Nicht ganz einfach war die Suche nach einem geeigneten Standort. Die vorhandenen öffentlichen Rollstuhltoiletten waren alle zu klein. Einzig die Toilette am Bahnhof erfüllte in etwa die Anforderungen an eine „Toilette für alle“. Mit der höhenverstellbaren Wandklappliege war es möglich, die notwendige Bewegungsfläche zu schaffen. Der an der Wand befestigte Patientenlifter sorgt platzsparend für den Transfer vom Rollstuhl auf die Liege. Das notwendige Hebetuch müssen die Nutzer selbst mitbringen. Allerdings ist der Lifter zusätzlich mit Hebebügel ausgestattet.

In England gibt es über 900 „Toiletten für alle“ („changing place toilet“), da dies längst Baustandard ist. „Inklusion ohne die Möglichkeit, Windeln zu wechseln geht gar nicht. Mit vollen Hosen kann man nicht teilhaben“, sprach LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl deutliche Worte bei der offiziellen Einweihung der „Toilette für alle“ am Metzinger Bahnhof. Sie freute sich, dass „zwischen England und Australien nun auch das durch die Outletcity international bekannte Metzingen auf der Landkarte der „Toiletten für alle“ vertreten ist.“ Auch wenn mobilitätseingeschränkte Reisende aufgrund der fehlenden Barrierefreiheit nicht mit dem Zug von und nach Metzingen fahren können, sei der Standort am Bahnhof Metzingen gut. „Wer auf dem Kelternplatz und in den Innenstadt feiert, hat nun am 350 Meter entfernten Bahnhof einen Raum zum Windelwechsel.“

Bisher müssen Windeln entweder auf dem Fußboden, im Freien hinter einer Hecke oder im Kofferraum des Autos gewechselt werden, wie anwesende Mütter und Väter behinderter erwachsener Menschen erzählten. Eine andere - aber wohl kaum zumutbare Alternative - nennt Renate Kaiser, Vorstandsmitglied des Körperbehindertenverein Reutlingen: „Meine Tochter kann nicht stehen. Wir weichen meist auf Nachtwindeln aus.“ "Ich kenne viele Mütter ehemaliger Kindergartenkinder, die jetzt als Erwachsenen auch Windeln tragen müssen und eine solche Einrichtung brauchen", so Mechthild Bruns, Leiterin des integrativen Kinderhauses der KBF in Metzingen. Viele Menschen bleiben aber daheim, um sich den unwürdigen Windelwechsel unterwegs zu ersparen.

Darum lobte Karin Geiger-Smolina aus Kohlberg die neue „Toilette für alle“ als „Supersache. Ganz toll was der LVKM zusammen mit der Stadt Metzingen da bewirkt hat.“ Geiger-Smolina ist selbst Mutter einer mehrfachbehinderten Tochter und Elternbeirätin der Dreifürstensteinschule Außenstelle Münsingen. „Wir brauchen überall im Land „Toiletten für alle“. Ich hoffe, dass andere Kommunen dem Beispiel Metzingen folgen.“

INFO
Die „Toilette für alle“ befindet sich im sog. Toilettenanbau des Bahnhofs Metzingen. Von 6 bis 9 Uhr steht die Toiletten auch für Frauen und Männern ohne Behinderung zur Verfügung. Ab 9 Uhr ist die „Toilette für alle“ nur mit dem „Euro-Schlüssel“ zugänglich. Dieser kann auch beim Fastfoodrestaurant „Subway“ ausgeliehen werden (Pfand 20 Euro).


Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler erläutert die Motivation der Stadt, eine »Toilette für alle« am Bahnhof Metzingen zu schaffen. Foto: © Mara Sander

Metzingens Oberbürgermeister Dr. Ulrich Fiedler erläutert die Motivation der Stadt, eine »Toilette für alle« am Bahnhof Metzingen zu schaffen. Foto: © Mara Sander

Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM) zeigt den anwesenden Medienvertretern den Euro-Schlüssel, der einen ungehinderten Zugang zu Rollstuhltoiletten in Europa bietet. Foto: © Mara Sander

Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg (LVKM) zeigt den anwesenden Medienvertretern den Euro-Schlüssel, der einen ungehinderten Zugang zu Rollstuhltoiletten in Europa bietet. Foto: © Mara Sander

Mit einem kräftigen Schnitt wird in Metzingen der Weg zur »Toilette für alle« frei gegegeben. V.l.n.r.: OB Dr. Ulrich Fiedler, Inklusionsbeauftragte Ute Kern-Waidelich, Renate Kaiser (Vorstandsmitglied des Körperbehindertenvereins Reutlingen), LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl, Mechthild Bruns (Leiterin des „Integrativen Kinderhauses“ der KBF in Metzingen). Foto: © Mara Sander

Mit einem kräftigen Schnitt wird in Metzingen der Weg zur »Toilette für alle« frei gegegeben. V.l.n.r.: OB Dr. Ulrich Fiedler, Inklusionsbeauftragte Ute Kern-Waidelich, Renate Kaiser (Vorstandsmitglied des Körperbehindertenvereins Reutlingen), LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl, Mechthild Bruns (Leiterin des „Integrativen Kinderhauses“ der KBF in Metzingen). Foto: © Mara Sander

Mit einem Druck auf die Taste öffnet LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl die »Toilette für alle«.

Mit einem Druck auf die Taste öffnet LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl die »Toilette für alle«.

Wie die »Toilette für alle« genutzt wird, zeigen Renate Kaiser (Mitte) und Jutta Pagel-Steidl (rechts) der Inklusionsbeauftragten Ute Kern-Waidelich. Foto: © Mara Sander

Wie die »Toilette für alle« genutzt wird, zeigen Renate Kaiser (Mitte) und Jutta Pagel-Steidl (rechts) der Inklusionsbeauftragten Ute Kern-Waidelich. Foto: © Mara Sander

Die rund 7 qm große

Die rund 7 qm große "Toilette für alle" ist ausgestattet mit WC, Urinal, Waschbecken sowie höhenverstellbarer Wandklappliege, Patientenlifter und luftdicht verschließbarem Windeleimer. Foto: © Mara Sander

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