Hier finden Sie alle Pressemitteilungen rund um das Thema „Toiletten für alle in Baden-Württemberg“.

In Ulm wurde die erste „Toilette für alle“ in einem Parkhaus eröffnet

Heilbronn, 15.12.2016 – Zwischen dem Münster mit seinem höchsten Kirchturm der Welt und dem Rathaus gibt es nun auch eine „Toilette für alle“. Es ist die neunte in Baden-Württemberg - und die erste in einem Parkhaus. Mitten in der Vorweihnachtszeit wurde sie nun offiziell eingeweiht.

Zwischen der Idee und deren Umsetzung verging knapp ein Jahr. Bei einem Treffen des Inklusionsbeirates im Herbst 2015 erfuhr die Ulmer Bürgermeisterin für Kultur, Bildung und Soziales, Iris Mann, erstmals von der Not der Familien mit schwer behinderten Angehörigen, die unterwegs auf eine Wickelmöglichkeit für Erwachsene angewiesen sind. „Betroffene Angehörige erzählten, dass sie nur dann mit der ganzen Familie einen Ausflug machen können, wenn es unterwegs eine Wickelmöglichkeit gebe. Andernfalls sei das Zeitfenster für einen Ausflug oder den Stadtbummel auf die Zeit ohne zwingenden Windelwechsel begrenzt. Nach dem Shopping noch spontan eine Eisdiele besuchen, sei da schon nicht mehr drin“, erinnerte sich Mann bei der offiziellen Eröffnung. Schnell war ihr im Herbst 2015 klar geworden, dass eine Lösung gefunden werden müsste. Der Förderaufruf des Landes, die Investition in „Toiletten für alle“ zu bezuschussen, kam da gerade zur richtigen Zeit. So musste nur noch ein passender Standort gefunden werden.

Fündig wurde man im Parkhaus am Rathaus. Das Parkhaus ist durchgehend geöffnet und im Haus ist ständig Aufsichts- und Auskunftspersonal anwesend. In der hell und freundlich gestalteten Kassenhalle im Untergeschoss gibt es bereits Kundentoiletten sowie eine Rollstuhltoilette mit Baby-Wickeltisch. Zu klären war einzig die Frage, ob die vorhandene Rollstuhltoilette groß genug ist für einen zusätzlichen Wickeltisch für Erwachsene und einem Lifter. So nahmen die Ulmer Parkbetriebe Kontakt mit dem Landesverband für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg auf und ließen sich beraten. Bei einem gemeinsamen Vor-Ort-Termin wurde der Raum mit dem Meterstab vermessen, da er weniger Fläche als die empfohlene Raumgröße von 12 qm ausweist. Das Ergebnis fiel zur Freude aller Beteiligten positiv aus. Das vorhandene Waschbecken musste etwas versetzt werden, um Platz zu schaffen für eine an der Wand montierte, höhenverstellbare, hochklappbare Pflegeliege für Erwachsene. Zusätzlich wurde ein Deckenlifter montiert, damit eine Assistenzperson „per Knopfdruck“ jemand vom Rollstuhl auf die Liege und wieder zurück heben kann.

Bei der Eröffnung herrschte ein dichtes Gedränge in der Kassenhalle. Viele Interessierte waren gekommen, um diese Premiere selbst zu erleben. Nach den Grußworten von Tim von Winning, Baubürgermeister und Geschäftsführer der Ulmer Parkbetriebe, Sozialbürgermeisterin Iris Mann sowie Jutta Pagel-Steidl, Geschäftsführerin des Landesverbandes für Menschen mit Körper- und Mehrfachbehinderung Baden-Württemberg, ging es mitten hinein in die „Toilette für alle“. Nach einem beherzten Durchschneiden eines rot-weißen Absperrbandes war der Weg frei. Mit großem Interesse schauten sich potenzielle Nutzer der „Toilette für alle“ um. Und was sie sahen, überzeugte. „Gut zu wissen, dass es jetzt in der Innenstadt einen Ort zum Wechseln gibt. Das ist echte Lebensqualität“, so die Kommentare. Interessierte Bürger, Gemeinderäte und Aufsichtsräte ließen sich ausführlich erklären, was das Besondere an einer „Toilette für alle“ ist und wie die Abläufe sind. Schnell wurde auch klar, weshalb eine „normale“ Rollstuhltoilette mit etwa 4 – 5 qm Grundfläche viel zu klein ist.

Insgesamt haben die Ulmer Parkbetriebe in die „Toilette für alle“ rund 21.000 Euro investiert. 12.000 Euro steuert das Land Baden-Württemberg zur Finanzierung bei. Von der Notwendigkeit der „Toilette für alle“ überzeugt, planen die Ulmer Parkhausbetriebe bereits die nächste. Von März 2017 bis Ende 2020 entsteht im Bereich des Zentralen Omnibusbahnhofes das „Parkhaus am Bahnhof“ mit 520 Stellplätzen. Standardmäßig fest eingeplant ist auch dort eine „Toilette für alle“, so Baubürgermeister Tim von Winning.


...gleich geht's los...

...gleich geht's los...

Nur ein Schnitt mit der Schere - und der Weg in die neue »Toilette für alle« ist frei...

Nur ein Schnitt mit der Schere - und der Weg in die neue »Toilette für alle« ist frei...

... und wird sofort von einem „Experten in eigener Sache“ begutachtet.

... und wird sofort von einem „Experten in eigener Sache“ begutachtet.

Der Ulmer Behindertenbeauftragte Oliver Arnold (links) erläutert die Funktionsweise des Deckenlifters.

Der Ulmer Behindertenbeauftragte Oliver Arnold (links) erläutert die Funktionsweise des Deckenlifters.

Selbstversuch: LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl lässt sich von Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann und dem Prokuristen der Ulmer Parkbetriebe, Klaus Linder, liften.

Selbstversuch: LVKM-Geschäftsführerin Jutta Pagel-Steidl lässt sich von Ulms Sozialbürgermeisterin Iris Mann und dem Prokuristen der Ulmer Parkbetriebe, Klaus Linder, liften.

zum Seitenanfang